Morgens um vier zum Flughafen

Es ist 4:15 Uhr, seit eineinhalb Stunden sind wir wach und haben uns aus unseren warmen Betten bis hin zum kalten Schulparkplatz gekämpft. Und nein, wir sind keine übereifrigen Lehrer, die als erste am Kopierer stehen wollen! Wir sind zwei bayerische Austauschlehrer, die eine Gruppe von Austauschschüler vom Flughafen München abholen.

Heute ist es soweit, unsere Gäste werden nach einem 8 Stunden Direktflug am Flughafen MUC landen und von uns in Empfang genommen werden. Doch bis dahin ist es noch lang: Nach der Landung muss die Gruppe erst einmal ihre Visa und eventuell noch ihre Einladung unserer Schule vorzeigen und nach Europa einreisen. Dann noch das Gepäck und die deutschen Zollmodalitäten erledigen, letzte Toilettengänge, erste Anrufe bei den Eltern in Indien. Bis eine Gruppe den Empfangsbereich eines Flughafens betritt kann es je nach Tageszeit schon mal bis zu zwei Stunden dauern. Das ist mit ein Grund, dass heute keine Schüler, sondern nur zwei übermüdete Lehrer die Gäste in München begrüßen werden. Wer weiß, wie lange wir warten müssen.

Das Gepäck wird im Reisebus verstaut und schweigend (auch unsere Gäste sind müde) geht es auf die Autobahn. Nur ab und zu hört man Gesprächsfetzen, als wieder mal ein Kirchturm zu erblicken ist; Bollywoodmusik dringt bei einigen Reisenden aus den Kopfhörern.

Doch je näher wir dem Ziel kommen, desto gesprächiger wird die Truppe. Auch die begleitenden indischen Lehrkräfte unterhalten sich lautstark und erkundigen sich nach Schule, Wetter, Familie und ….

Der Gesprächsfluss wird jäh unterbrochen , als der Bus in die Busschleife der Schule einfährt. Keiner sitzt mehr auf den Bänken und Nasen werden an den Seitenscheiben des Busses plattgedrückt. Die Eltern und die deutschen Schüler  haben sich zum Teil in Schale geworfen und heißen die Inder in Tracht, mit schwankenden Fahnen und hin und her wedelnden Plakaten willkommen.

Alle steigen aus, Hände werden geschüttelt, Verbeugungen angedeutet, Gepäck verstaut. Nach und nach lichtet sich der Parkplatz und übrig bleiben jetzt vier übermüdete indische und deutsche Austauschlehrkräfte, die sich auf ein Frühstück freuen.

Der Austausch 2017 hat begonnen.

Lord Ganesha möge eure Reise segnen

Für unseren indischen Freunde beginnt bald die große Reise. Die Koffer sind vielleicht schon gepackt, alle verwandten wurden umarmt und die besten Glückwünsche sämtlicher Familienmitglieder begleiten unsere Schüler und ihre Lehrer

Dieses Wochenende besteigen 17 Schüler und 2 Lehrer der Lotus Valley International School einen Lufthansa-Direktflug von Delhi nach München und starten in ein Großes Abenteuer. Sie reisen nach Deutschland um dort am Deutsch-Indischen Austauschprojekt „Different countries – different sports“ (Andere Länder – andere Sportarten) teilzunehmen. Daher bitte ich Lord Ganesha ihnen Beistand bei ihrer Reise zu gewähren.

Aber warum Ganesha? Nur wenige Deutsche kennen sich mit dem Hinduismus aus und noch weniger können die vielen Götter und Gottheiten dieser Religion auseinanderhalten und benennen.

Ganesha - Der Beseitiger der Hindernisse
Ganesha – गणेश – Vinayaka – Vigneshvara – Herr und Zerstörer der Hindernisse – Das sind nur einige seiner vielen Namen

Jedoch ist Ganesha leicht zu identifizieren, da er immer mit einem Elefantenkopf dargestellt wird und oft in Gesellschaft einer Ratte bzw. einer Maus abgebildet ist. Eine Schlange ist ebenfalls ein häufiges Attribut dieser Gottheit. Meist findet man sie als Gürtel um seinen Bauch geschlungen. Die Geschichten um Ganeshas Geburt sind überall in Indien bekannt und unzählige Mythen über sein Leben und sein Wirken erfreuen nicht nur die Kinder.

Unter anderem ist Ganesha als Gott der Schrift, der Wissenschaft und des Lernens bekannt. Man betet zu ihm. um Weisheit und Klugheit zu erlangen.

Allerdings ist Ganesha auch der Gott der Hindernisse. Er platziert sie und entfernt sie in bzw. aus unserem (Lebens)weg.

Und wirklich – Hindernisse auf dem Weg, das ist wirklich das Letzte, was unsere Schülern auf ihrer Reise nach Deutschland benötigen können. Lasst uns daher Ganesh bitten, dass ihre Reise ohne Hindernisse verlaufen möge.

Und sollte auch ein bischen Weisheit und Klugheit für die Kinder übrig sein, so wird sich bestimmt auch niemand darüber beschweren.

 

Die Planungen schreiten voran – aber in welche Richtung?

„Wer von uns fährt eigentlich nach Regensburg mit?“ fragt der besorgte Kollege im Lehrerzimmer. Als ob ich das fünf Tage vor Austauschbeginn schon wüsste! Natürlich könnten die Planungen so kurz vor der Ankunft unserer indischen Gäste abgeschlossen sein, doch wer so denkt, der hat noch keinen Schüleraustausch organisiert.

Planungsskizzen
Vorläufiger Zeitplan für den Deutschlandaufenthalt der indischen Gastschüler

Angefangen hat es damit, dass der Dienstagstermin für den Begrüßungsabend wackelte, da drei deutsche Schüler an einem Fußballturnier teilnehmen müssen. Natürlich könnte man dieses Potluck-Dinner auch montags abhalten, doch da kollidiert es mit einem Schulaufgabentermin. Während ich noch nachgrüble, wie die Misere zu lösen ist, kommt die Nachricht rein, dass der Steg des Ruderclubs ausgebessert werden muss und vielleicht auch unser Wassersport-Termin verschoben wird. Doch wohin? „Wenn man das Judotraining auf den Dienstag legt, könnte man am Mittwoch rudern. Doch dazu muss ich einen Bus umbuchen.“ Während ich in Gedanken ganze Veranstaltungen noch hin und her schiebe, erreicht mich die E-Mail, dass ein seit Langem angefragter Sportverein doch noch an unserem Sport-Projekt teilnehmen möchte und nun um eine Zeitangabe bittet. Das dazu nötige Telefonat verschiebe ich verzweifelt auf morgen.

Um mich zu beruhigen rufe ich schnell einige Vertragspartner an, um mir die vor Wochen reservierten Termine noch einmal bestätigen zu lassen. Ich hätte es wissen müssen: Das Restaurant für den Abschlussabend wird renoviert; ein Ersatz ist noch nicht in Sicht. Jetzt ist es auch schon egal. Rudern am Mittwoch, den Sportverein am Dienstag-Vormittag und die Eistockschützen können flexibel auf einen anderen Wochentag ausweichen.

Und der oben bereits genannte Kollege für die Regensburgfahrt? Auf den kann ich mich wenigstens verlassen. Aber der Rest wird noch mal spannend! Ich habe ja noch Zeit. Es sind ja noch fünf lange Tage. Was kann da schon schief gehen?

Vor dem Austausch – Ashnis Eindrücke

In der Rubrik „vor dem Austausch“ schreiben Schüler über ihre Vorbereitung für den Deutsch-Indischen Schüleraustausch. Sie beschreiben ihre Anreize, um am Austausch teilzunehmen und ihren ersten Kontakt zum Partner.

Heute schreibt Ashni, eine Schülerin der Lotus Valley International School, wie sie sich auf die Deutschlandreise vorbereitet und was sie in Deutschland anschauen möchte:

Ashnis Überlegungen zur Deutschlandreise

Ich bereite mich für die Deutschlandreise vor, in dem ich Filme anschaue, Bücher lese und mehr mit meinen Partnern kommuniziere, weil bei einem Austausch handelt es um Interaktion und Lernen.

Ich habe grundsätzlich Angst vor dem Essen, weil ich Vegetarier bin, also weiß ich nicht, wie ich mit meinen Essgewohnheiten umgehen werde. Im Allgemeinen sind introvertierte Menschen schüchtern und interagieren nicht viel mit Fremden.

vegetarisch, bayerische Spezialitäten
Nur ein kleiner Bereich unseres rein vegetarischen Potluck-Buffets 2016 – das Essen sollte auch für Vegetarier kein Problem sein!

Aber ich bin eine sozial extrovertierte Person und kann gut mit Menschen mischen. Ich freue mich darauf, mehr Freunde aus Deutschland zu machen.  Ich möchte  Denkmäler und berühmte Orte sehen. Ich bin eine weggehende und abenteuerliche Person, also möchte ich so viele Orte besuchen, die ich kann.

Ich möchte alles neu mit meinem Austauschpartner ausprobieren und viel Spaß mit ihr haben. Unsere täglichen Routinen werden anders sein, aber ich werde immer noch versuchen, wie sie zu leben. Das Gleiche zwischen uns wäre unsere Natur und Persönlichkeit, weil ich regelmäßig mit meinem Austauschpartner rede und sie scheint auch eine sehr abenteuerliche und freundliche Person zu sein. Also hoffe ich, dass unsere Freundschaft auch nach dem Austauschprogramm fortfährt und ich werde auf jeden Fall wieder nach Indien zurückkehren!

Vor dem Austausch – Jakobs Eindrücke

In der Rubrik „Vor dem Austausch“ schreiben indische und deutsche Schüler über ihre Vorbereitungen zum Austausch, ihre ersten Kontakte zum Partner und die Vorbereitungen, die sie für diesen Besuch anstellen.

Heute schreibt Jakob, ein Schüler des Johannes-Turmair-Gymnasiums warum er sich auf diesen Austausch freut.

Anspannung, Vorbereitung und Vorfreude

Nur noch 11 Tage. Nur noch 11 Tage, dann kommen endlich unsere Gäste aus Indien. Ich bin schon sehr gespannt. Ich hoffe, ich finde durch diesen Austausch ein paar neue Freunde. Ich bin schon sehr gespannt, wie das Alltagsleben ausschaut, es sind ja zwei so unterschiedliche Kulturen. Ein bischen leichter wird es aber trotzdem für mich sein. Wir durften nämlich schon zwei Inder bei uns aufnehmen. Meine Mutter und meine Schwester haben ebenfalls schon bei diesem Austausch teilgenommen.

Trotzdem: Jetzt ist es etwas ganz anderes. Mein indischer Austauschschüler kommt ja schließlich zu mir und nicht zu meiner Schwester.

Mein indischer Gast wird sein eigenes Zimmer bekommen. Unser Gästezimmer. Das haben wir ausch schon ein bischen hergerichtet.

Auch Jakobs Mutter hat schon am Indienaustausch teilgenommen
Jakobs Mutter hat 2014 auch schon am Indienaustausch teilgenommen

Wir waren sogar schon am Flohmarkt und haben Sachen verkauft, die in diesem Raum überflüssig waren, um noch mehr Platz zu schaffen. Ansonsten versuche ich es auf mich zukommen zu lassen. Vieles haben mir meine Mama und meine Schwester schon erzählt.

Ansonsten freue ich mich eigentlich riesig auf diesen Austausch, bei dem zwei Welten, die unterschiedlicher kaum sein könnten, aufeinander treffen.