Straubing wird Indisch!

geschrieben von Quirin H.

Straubing wird Indisch! Und das nicht nur weil unsere Gäste da sind, sondern weil sie ihre Kultur mitbringen. So war es auch bei uns.

Indische Gastgeschenke
Der Schenkende und die Geschenke!
Indisches Essen
Leckeres indisches Essen – Mitten in Niederbayern

Das haben wir direkt am ersten Tag erlebt: Mein Austauschpartner kam auf mich zu und fragte mich, wann er uns seine Geschenke geben kann. 5 Minuten später stand er wieder im Wohnzimmer, mit einer Tasche für jeden einzelnen aus meiner Familie, sogar für meine Großeltern!


Neben typischen indischen Kleidern, hat er uns auch noch Zutaten für ein Essen mitgebracht, das er für uns kochen wollte. Das lustige daran war, dass wir in drei Supermärkten waren um das richtige Brot zu finden (Leider ohne Erfolg).

Ja, so blau, blau, blau blüht der Enzian

Enzian kennt man in Bayern aus dem gut sortierten Getränkeladen oder von hochalpinen Wanderungen. Dort wächst er auf kargen Berghängen und trotzt Wind und Kälte. Diese schwer zu erreichende Pflanze ist jedoch auch ein wichtiger Rohstoff für Arzneimittel. Wie kann man nun die Pflanze nachhaltig in ausreichender Menge gewinnen?

ESKUSA
Die Austauschschüler b
eim Vortrag

Genau mit solchen Fragen beschäftigt sich Herr Eickmeyer, der Gründer der Firma ESKUSA. Er lud die Austauschschüler ein, seinen Betrieb zu besichtigen, der sich auf die Züchtung und Weiterentwicklung von Enzian, Arnika und weiteren Nutzpflanzen spezialisiert hat.

Am Beispiel der Arnika zeigte er zunächst den Schülern, wie aus gezielten Kreuzungen Samen gewonnen und deren Eigenschaften untersucht werden. Sind die Pflanzen resistent gegen bestimmte Herbizide? Welches Wurzelsystem entwickeln sie? Liefern sie weiterhin die gewünschten Wirkstoffe oder wurden sie durch die Züchtung lediglich größer und ertragreicher?

Ein kurzer Ausschnitt aus der Einführung in die Thematik

Zunächst war die Schülergruppe skeptisch, ob ein Besuch eines Pflanzenzüchters wirklich ins Programm eines Schüleraustausches passt. Doch nach und nach tauten sie auf und stellten Fragen über Fragen. Wie gewinnt man Gummi aus Löwenzahn? Welche Partnerinstitute sind in die Entwicklung mit eingebunden? Auch wurde den Schülern bewusst, dass hier Probleme gelöst werden, die den Anbau von Nutzpflanzen sowohl in Indien als auch in Deutschland nachhaltig sichern können.

ESKUSA Fuhrpark
Manche Maschinen müssen erst “erfunden” werden

Geduldig beantwortete Herr Eickmeyer sämtliche Nachfragen und führte die Schüler durch Maschinenpark und Züchtungsbeete.

Das Eis war gebrochen: Umgebaute Saatmaschinen wurden bestaunt, Lupinen-Wurzellängen verglichen und an trocknenden Arnikablüten geschnuppert.

Die Themen bei dieser Betriebsbesichtigung reichten somit von Trockenheitsresistenz über moderne Züchtungsmethoden bis hin zur Vermarktung von Hanffasern. So erhielten die Jugendlichen einen Einblick in die Arbeit eines Unternehmens, das dafür sorgt, dass auch Pflanzen, die ursprünglich an sehr spezielle Standorte angepasst waren, heute in größerem Maßstab kultiviert und genutzt werden können.

Auch die Eltern machen fröhlich mit

Das Kennenlernen fremder Kulturen prägt einen, ändert Blickweisen und auch Jahrzehnte später erzählt man noch die Stories vom Tempelbesuch, seltsamen Speisen oder dem einen großen Missverständnis.

Doch auch die Eltern unserer Austauschschüler sind voll involviert. Nicht nur mit der Übernahme der Austauschkosten, sondern auch bei der Unterbringung, Verpflegung und den ständig anfallenden Fahrdiensten zu den verschiedenen Treffpunkten.

Tanzende Austauscheltern
Tanzende Austauscheltern

Da ist es nur fair, wenn auch die Eltern einmal auf ihre Kosten kommen.

So geschehen bei unserem traditionellen Potluck-Dinner. Bei diesem deutsch-indischen Abend kommen die ganze Austauschfamilie, Schüler, Lehrer, Eltern, Geschwister und manchmal auch Großeltern zusammen und lassen sich in gemütlicher Atmosphäre einstudierte traditionelle Tänze oder Gesangseinlagen vorführen.

Gegessen wird, was die einzelnen Familien mitgebracht haben: Obatzda, Apfelstrudel, Kartoffelsalat, Kuchen oder Fleischpflanzerl. Der Fantasie und der Vielfalt sind hier keine Grenzen gesetzt.

Und wenn es gut läuft, lassen sich die Eltern hinreißen und zeigen den Jüngeren, dass auch sie das Tanzbein schwingen können. Da kommt es schon mal zu einer spontanen Boogie-Tanzeinlage oder zum Tanz des Eltern-Korbwalzers.

Der Hochgenuss der kulturellen Begegnung

Museumsbesuche, Wanderungen, Führungen, Vorträge – hört der Unterricht denn nie auf?

Wann immer man kann, treffen sich unsere deutschen und indischen Gäste und genießen ihre Freizeit. Denn in ungezwungener Atmosphäre lernt man die Kultur des Gastgeberlandes am besten kennen.

So auch heute beim Gründungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Rain. Mehr kulturelle Begegnung als auf einem bayerischen Feuerwehrfest geht doch eigentlich gar nicht, oder? Oder wie soll man es sich sonst erklären, dass Jahr für Jahr diese Feste unsere Gäste aufs Neue anziehen?

22.800 Schritte

Auf dem Programm unseres Austauschs stand auch ein Ausflug zum Blaibacher See. Zwei Ranger des Naturparks Bayerischer Wald hatten angeboten, uns entlang des Seeufers zu führen und uns über Naturschutz und Wasserkraft zu informieren.

Der lange Weg zur Nachhaltgkeit
Der lange Weg zur Nachhaltigkeit

Zunächst waren alle von der Natur überwältigt, dann von den vielen Informationen über Nachhaltigkeit und Biodiversität. Zum Ende des Ausflugs war es dann doch eher die für viele indische Schülerinnen und Schüler enorme Schrittzahl von 22.800 Schritten, die nachhaltig in Erinnerung geblieben sein dürfte.

„Ich gehe auf ein Abenteuer!“

“Ich gehe auf ein Abenteuer!” Das mussten sich auch die 14 Schülerinnen und Schüler der Lotusvalley International School gedacht haben, die gestern Nacht in das Flugzeug nach Deutschland gestiegen sind, um ihre Schulfreunde des Johannes-Turmair-Gymnasiums zu treffen.

Es ist lange her, seit dem die deutsche Gruppe Noida im November letzten Jahres verlassen hat und um so größer ist die Vorfreude auf beiden Seiten, sich endlich wieder zu treffen und die neuesten Geschichten auszutauschen.

Flugdaten unserer indischen Gäste
Flugdaten für die Anreise unserer indischen Gäste (Quelle: www.munich-airport.de)

Doch was plant man nun für so einen Tag? Soll man die Inder einfach schlafen lassen? Einen Spaziergang machen, oder gleich den ersten Ausflug unternehmen?

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… und was wir vermissen werden

Natürlich freuen wir uns darauf, wieder nach Hause zu kommen. Wir freuen uns auf Familie, ein weiches Bett, oder unsere Haustiere. Es gibt aber auch einiges, was wir vermissen werden.
Eine Kurzumfrage gibt Auskunft darüber, was wir vermissen werden, wenn wir wieder in Deutschland weilen werden.

  • die neuen indischen Freunde / meine Austausch-Familie / meine Gastmutter / meine Austauschschülerin werde ich ein bisschen vermissen / meine nette Familie, die ich natürlich auch vermisse / meine Gastfamilie
  • das scharfe Essen, da meine Schwester scharf absolut hasst! Ich habe das geliebt.
  • die Gastfreundlichkeit der Leute
  • die günstigen indischen Preise (2x genannt)
  • meine eigene Didi
  • es ist immer was los
  • die gemeinsamen Trips, die wir, verglichen mit Amerika, mit den Indern erlebt haben
  • das leckere Essen
  • generell die gemeinsame Reise