Darf’s auch a bisserl mehr sein? Nein danke, es passt schon!

Während der Planung und Durchführung der letzten Austauschprojekte mit unserer Partnerschule in Noida habe ich immer wieder versucht, die teilnehmenden Schüler bestmöglich auf die Begegnung mit der fremden, indischen Kultur vorzubereiten. Dazu trafen wir uns in den ersten Jahren wöchentlich und schauten uns Lehrfilme an, lauschten Referaten und übten uns sogar in kleinen Rollenspielen. All dies ist und war richtig und wichtig, denn ohne interkulturelle Vorbereitung ist ein Austauschprojekt dieser Größenordnung zum Scheitern verurteilt. Und doch gilt es – wie so oft im Leben – auch bei der Vorbereitung das richtige Maß zu finden.

All zu viel ist ungesund! Omne nimium nocet!

Planung
Manchmal kann man auch zu viel planen.

Teilt man den Schülern mit, dass ihr Traum von einer Austauschteilnahme Wirklichkeit wird, so setzt soft überschwängliche Begeisterung ein. Echte Freude macht sich breit und man kann es kaum erwarten, sich mit dem jeweiligen Partner aus dem Ausland in Verbindung zu setzen.

In den gemeinsamen Sitzungen wird das allgemeine Hochgefühl doch jäh gedämpft: „Denkt daran, dass Körperkontakt in Indien einen anderen Stellenwert hat als in Deutschland!“ „Vergesst nicht, euer Frageweise umzustellen, damit man den Gast nicht zu einem unhöflichen ‚Nein‘ zwingt!“ „Denkt daran, dass die Essenszeiten in Indien und in Deutschland unterschiedlich sind!“ Dies sind nur einige mahnenden Sätze, die ein Schüler im Vorfeld von der betreuenden Lehrkraft zu hören bekommt. „Darf’s auch a bisserl mehr sein? Nein danke, es passt schon!“ weiterlesen

Hinduismus Workshop am Johannes-Turmair-Gymnasium

An was glaubt man eigentlich, wenn man an den Hinduismus glaubt? Betet man tatsächlich Götter wie Shiva, Kali, Kṛṣṇa oder Vishnu an, vollzieht jeden Tag Yoga-Übungen und isst nur vegetarisch? Wie verhält man sich in einem Hinduistischen Tempel?

Hindu house altar
Der kleine Hausaltar, der für die Fortbildung aufgebaut wurde.

Seit die indische Betreuungslehrkraft Frau Radhika Babbar während des letzten Austausch-Projekts eine Unterrichtsstunde über die hinduistischen Religionen gehalten hat, wurde im Lehrerzimmer des Johannes-Turmair-Gymnasiums eifrig über diesen Glauben diskutiert. Vor kurzem fand daher für die Religionslehrer des JTGs ein Workshop zu eben diesem Thema statt.

Der Referent Wolfgang Pöschl begleitete nun schon zum vierten Mal die deutschen Schüler nach Indien und konnte den Religionslehrern von seinen Erfahrungen mit dem Hinduismus aus erster Hand berichten. Begriffe wie Dharma, Karma, Mukti wurden in der zweieinhalb stündigen Veranstaltung ebenso erklärt wie die Bedeutung der Bhagavad Gita oder des Ramayanas. Neben dem reinen Vortrag mit zahlreichen Bild- und Videobeispielen wurde von den Lehrern aber auch das Gayatri Mantra als Beispiel für ein hinduistisches Gebet gesungen, analysiert und am extra aufgebauten Hausaltar eine Puja durchgeführt.

Nach einer offenen Diskussionsrunde über die Unterschiede der Hinduistischen Religionen und dem Christentum und dem Rückblick auf das Austausch-Projekt „Krishna-Christus“ wurde natürlich – wie es sich für eine solche religöse Veranstaltung gehört – das zuvor geopferte Halva als Prasad verteilt.

Ergänzung: Das Johannes-Turmair-Gymnasium hat unseren Blog-Artikel leicht verändert auch auf der Homepage der Schule veröffentlicht.

Deutsche Lehrerin bricht fast den Landesrekord im Händeschütteln

Indien ist ein Land voller Extreme. Dies zeigt schon allein die Liste der Guiness Rekorde, die jährlich in diesem Land aufgestellt werden.

Haendeschütteln
Christina Wiedemann bei ihrem Rekordversuch

Unsere Johannes-Turmair – Lehrkraft Christina Wiedemann hat diese Auflistung als Ansporn genommen und während des Besuchs eines Universitäts-Volleballturniers versucht, den Rekord im Händeschütteln zu brechen.

Innerhalb von nur 2 Stunden schüttelte die Mitorganisatorin des diesjährigen Indienaustauschs gefühlte 10.000 Hände (vgl. Zahlenangaben im Zeitungsartikel). Damit verpasste sie zwar den Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde, gewann allerdings die Herzen unzähliger Sportlerinnen.

 

Tag 1 – Alles steht Kopf

Die Fahrt nach Hause verläuft äußerst angenehm. Ich kenne Radhika noch vom letzten Austausch und wir unterhalten uns über das Wetter (über 42 Grad in Delhi), indische und deutsche Bekannte und über die Familie. Da sie unser Haus schon kennt brauche ich sie nicht mehr herumführen, sondern wir wenden uns gleich einem üppigen Frühstück zu. Semmeln, Käse, Nutella und Kaffee. Nach einer kurzen Schlafpause geht’s zum Waldwipfelweg in St. Englmar. Immerhin muss man das gute Wetter ausnutzen und wenn wir etwas wirklich im Überfluss haben, dann ist es schöne Landschaft und frische Luft. Doch dann geht alles verkehrt. Oben ist unten und groß wird klein. Da steht nicht nur die indische Lehrerin Kopf.

Nach dem obligatorischen Eisbecher hält es Radhika aber nicht mehr aus und verlässt fluchtartig die Szenerie (vgl. Video).

Rasante Rodelfahrt

Nach der Rodelbahn besuchten wir noch eine Tanzprobe meines Mittelaltervereins, gingen griechisch Essen und fielen abends übermüdet aber glücklich ins Bett.

Morgens um vier zum Flughafen

Es ist 4:15 Uhr, seit eineinhalb Stunden sind wir wach und haben uns aus unseren warmen Betten bis hin zum kalten Schulparkplatz gekämpft. Und nein, wir sind keine übereifrigen Lehrer, die als erste am Kopierer stehen wollen! Wir sind zwei bayerische Austauschlehrer, die eine Gruppe von Austauschschüler vom Flughafen München abholen.

Heute ist es soweit, unsere Gäste werden nach einem 8 Stunden Direktflug am Flughafen MUC landen und von uns in Empfang genommen werden. Doch bis dahin ist es noch lang: Nach der Landung muss die Gruppe erst einmal ihre Visa und eventuell noch ihre Einladung unserer Schule vorzeigen und nach Europa einreisen. Dann noch das Gepäck und die deutschen Zollmodalitäten erledigen, letzte Toilettengänge, erste Anrufe bei den Eltern in Indien. Bis eine Gruppe den Empfangsbereich eines Flughafens betritt kann es je nach Tageszeit schon mal bis zu zwei Stunden dauern. Das ist mit ein Grund, dass heute keine Schüler, sondern nur zwei übermüdete Lehrer die Gäste in München begrüßen werden. Wer weiß, wie lange wir warten müssen.

Das Gepäck wird im Reisebus verstaut und schweigend (auch unsere Gäste sind müde) geht es auf die Autobahn. Nur ab und zu hört man Gesprächsfetzen, als wieder mal ein Kirchturm zu erblicken ist; Bollywoodmusik dringt bei einigen Reisenden aus den Kopfhörern.

Doch je näher wir dem Ziel kommen, desto gesprächiger wird die Truppe. Auch die begleitenden indischen Lehrkräfte unterhalten sich lautstark und erkundigen sich nach Schule, Wetter, Familie und ….

Der Gesprächsfluss wird jäh unterbrochen , als der Bus in die Busschleife der Schule einfährt. Keiner sitzt mehr auf den Bänken und Nasen werden an den Seitenscheiben des Busses plattgedrückt. Die Eltern und die deutschen Schüler  haben sich zum Teil in Schale geworfen und heißen die Inder in Tracht, mit schwankenden Fahnen und hin und her wedelnden Plakaten willkommen.

Alle steigen aus, Hände werden geschüttelt, Verbeugungen angedeutet, Gepäck verstaut. Nach und nach lichtet sich der Parkplatz und übrig bleiben jetzt vier übermüdete indische und deutsche Austauschlehrkräfte, die sich auf ein Frühstück freuen.

Der Austausch 2017 hat begonnen.

Die Planungen schreiten voran – aber in welche Richtung?

„Wer von uns fährt eigentlich nach Regensburg mit?“ fragt der besorgte Kollege im Lehrerzimmer. Als ob ich das fünf Tage vor Austauschbeginn schon wüsste! Natürlich könnten die Planungen so kurz vor der Ankunft unserer indischen Gäste abgeschlossen sein, doch wer so denkt, der hat noch keinen Schüleraustausch organisiert.

Planungsskizzen
Vorläufiger Zeitplan für den Deutschlandaufenthalt der indischen Gastschüler

Angefangen hat es damit, dass der Dienstagstermin für den Begrüßungsabend wackelte, da drei deutsche Schüler an einem Fußballturnier teilnehmen müssen. Natürlich könnte man dieses Potluck-Dinner auch montags abhalten, doch da kollidiert es mit einem Schulaufgabentermin. Während ich noch nachgrüble, wie die Misere zu lösen ist, kommt die Nachricht rein, dass der Steg des Ruderclubs ausgebessert werden muss und vielleicht auch unser Wassersport-Termin verschoben wird. Doch wohin? „Wenn man das Judotraining auf den Dienstag legt, könnte man am Mittwoch rudern. Doch dazu muss ich einen Bus umbuchen.“ Während ich in Gedanken ganze Veranstaltungen noch hin und her schiebe, erreicht mich die E-Mail, dass ein seit Langem angefragter Sportverein doch noch an unserem Sport-Projekt teilnehmen möchte und nun um eine Zeitangabe bittet. Das dazu nötige Telefonat verschiebe ich verzweifelt auf morgen.

Um mich zu beruhigen rufe ich schnell einige Vertragspartner an, um mir die vor Wochen reservierten Termine noch einmal bestätigen zu lassen. Ich hätte es wissen müssen: Das Restaurant für den Abschlussabend wird renoviert; ein Ersatz ist noch nicht in Sicht. Jetzt ist es auch schon egal. Rudern am Mittwoch, den Sportverein am Dienstag-Vormittag und die Eistockschützen können flexibel auf einen anderen Wochentag ausweichen.

Und der oben bereits genannte Kollege für die Regensburgfahrt? Auf den kann ich mich wenigstens verlassen. Aber der Rest wird noch mal spannend! Ich habe ja noch Zeit. Es sind ja noch fünf lange Tage. Was kann da schon schief gehen?