Nächste Woche erscheint der aktuelle Jahresbericht des Johannes-Turmair-Gymnasiums. Die ganze Vielfalt des Schullebens ist dabei repräsentiert: Wahlunterrichte, W- und P-Seminare, Lehrerfortbildungen und Schülerfahrten. Auch ein kurzer Bericht unserer Austauschbegegnung mit der Lotusvalley International School findet dort seinen Platz.
Sustaining Futures – Für eine nachhaltige Zukunft
Wie sieht eine lebenswerte Zukunft aus? Die UN hat sich zu dieser Frage bereits frühzeitig Gedanken gemacht und 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung formuliert, die es ermöglichen sollen, unseren Kindern eine lebenswerte Welt zu hinterlassen. Doch wie diese Ziele erreicht werden sollen, darüber gibt es unterschiedliche Vorstellungen.
Vierzehn Schülerinnen und Schüler unserer Schule machten sich im November daher auf den Weg in den Norden Indiens, um im Rahmen ihres Schüleraustauschs die indische Herangehensweise an die Probleme unserer Welt kennenzulernen.
Viele Antworten auf die Frage nach einer nachhaltigen Zukunft fanden die Schülerinnen und Schüler überraschenderweise direkt auf dem Gelände ihrer Partnerschule. Die Lotus Valley International School entwickelte nämlich ein nachhaltiges Kompostierungssystem für ihre Gartenabfälle. Stolz präsentierten die Gärtner die unterschiedlichen Anlagen und luden unsere Schüler ein, ihnen beim Umgraben zu helfen.
Zu einer nachhaltigen Zukunft gehört auch eine artenreiche Umwelt. Und auch hier blieben wir in der Nähe des Schulgeländes und pflanzten Baumsetzlinge auf einer Lichtung, die früher als Müllkippe genutzt worden war. Weitere Exkursionen führten uns in ein Tierheim für verletzte Straßenhunde und Straßenkatzen. Der dortige Höhepunkt war die Möglichkeit, im Gehege für verletzte Katzen die schnurrenden Vierbeiner zu kraulen. Wem es besser gefallen hat, den Schülern oder den Katzen, wird wohl ewig ein Geheimnis bleiben. Nachhaltigkeit begegnete uns dabei in den unterschiedlichsten Formen, von Bildung und Städteplanung über Energiegewinnung bis hin zur Ernährung. Wobei die von den deutschen Jugendlichen kreierten indischen Leckereien nach deutsch-indischer Art nicht jedermanns Geschmack trafen.
Andere Projektexkursionen führten uns mit dem schuleigenen Bus weit hinaus in die ärmeren Randgebiete Neu Delhis. Dort wurden im Rahmen einer Bildungspatenschaft mit einer staatlichen Schule gesammelte Bücherspenden für die Schulbibliothek und Schreibutensilien übergeben. Viel spannender als diese Lehrmittel waren jedoch die ungewohnt aussehenden deutschen Schüler, die in den einzelnen Klassenzimmern der Sektorschule Fragen zum deutschen Alltag beantworten durften.
Noch intensiver als bei der vom PASCH-Netzwerk unterstützten Projektarbeit lernten die Schülerinnen und Schüler Indien jedoch in ihren Gastfamilien kennen. Dort warteten nicht nur ungewohnte Essenszeiten und neue Geschmacksrichtungen, sondern auch zahlreiche Familienfeiern, Ausflüge und lange Gespräche. Schnell stellte sich heraus, dass Jugendliche in Indien und Deutschland zwar oft einen unterschiedlichen Alltag erleben, sich aber in vielen Interessen erstaunlich ähnlich sind.
Gerade im Alltag wurden dann jedoch auch die kulturellen Unterschiede sichtbar: Vom ersten „Hare Krishna“ im hinduistischen Tempel bis zum Besuch des religiösen Schauspiels über die Geschichte von Draupadi. Nicht zuletzt, als sich alle Kopftücher umwickelten und das obligatorische Prashad in der Hand hielten, merkten die Schüler schnell, wie unsicher man sich in einer fremden Kultur fühlen kann. Etwas sicherer verhielten sie sich dann am Basar und feilschten beim Einkauf von Souvenirs um jede einzelne Rupie.
Viele dieser Eindrücke hielten die Schülerinnen und Schüler in Erlebnisberichten, Fotos und Videos fest. Veröffentlicht wurden diese Beiträge auf dem Austauschblog unter blog.indienaustausch.de, sodass auch die Schulfamilie die Reise nahezu in Echtzeit mitverfolgen konnte.
Am Ende nahmen die Schülerinnen und Schüler weit mehr mit nach Hause als nur Erinnerungen und Souvenirs. Sie gewannen Einblicke in eine andere Kultur, lernten neue Perspektiven auf globale Herausforderungen kennen und erfuhren, wie viel Menschen voneinander lernen können. So wurde der Austausch selbst zu einem kleinen Beitrag auf dem Weg zu einer nachhaltigen Zukunft.


