Missverständliche Gewürzkultur

Indisches Essen und Gewürze gehören einfach zusammen. Während man sich bei manchen deutschen Rezepten oft auf Salz und Pfeffer beschränkt, verwendet man in der Küche Indiens eine ganze Batterie von Pülverchen und Samen, Kapseln und Gewürzen. Beim interkulturellen Kochen während des Austauschs kommt es da schnell zu Missverständnissen.

Curry

Curry Masala
Curry, Masala und Co. – Die Begriffe können einen zur Verzweiflung bringen.

Currywurst, Curryketchup, Curryreis. Der Deutsche versteht unter Curry das gelbe Pulver, dass er immer dann auf ein Gericht streut, wenn er ihm eine gewisse Schärfe und einen etwas asiatischen Touch verpassen möchte. In Indien kann man es dagegen überhaupt nicht nachvollziehen, dass es bei uns Curry in Pulverform gibt.

In Indien ist Curry ein Sammelbegriff für soßenreiche Gerichte, die oft zusammen mit Reis serviert werden. Im Deutschen lässt er sich vielleicht noch am ehesten mit dem Begriff Eintopf wiedergeben. Diese Curries in ein kleines Döschen zu packen und dann auf ein weiteres Gericht zu streuen entbehrt jeder Logik. Missverständnisse in der Kommunikation sind vorprogrammiert, wenn man von seiner Liebe für Curry schwärmt.

Curries können in Indien fleischlos (z. B. Alu Gobhi) oder „non-veg“, also fleischhaltig sein. Der von den Engländern geprägte Curry-Begriff wird heute in Indien wie selbstverständlich verwendet, auch wenn es für jedes Gericht wieder eigene Namen gibt.

So kennt der Deutsche sein Curry.

Das deutsche Curry würde man in Indien schlichtweg als Gewürzmischung, als Masala bezeichnen. Diese Masalas gibt es überall zu kaufen und werden auch reichlich beim Kochen eingesetzt – nur halt nicht unter dem Namen „Curry“.

Dem deutschen, wie dem indischen Curry gemeinsam ist jedoch, dass sich darin höchstwahrscheinlich Kurkuma befindet. Dieses Gewürz verleiht den Gerichten bzw. dem Pulver die gelbe Farbe; es kann aber auch hier wieder zu sprachlichen Missverständnissen kommen.

Kurkuma – Haldi – Turmeric

Indian food
Indian food – You will love it!

Kurkuma ist der Hauptbestandteil des europäischen Currypulvers und aus der indischen Küche nicht wegzudenken. Nicht nur färbt es Soßen und Beilagen wunderschön gelb; es verleiht dem Gericht auch eine typische würzige, bittere Note. Hier wie dort wird Kurkuma auch außerhalb der Küche als Medizin oder zum Anrühren von Pasten z. B. für ein Tilaka verwendet.

Das Missverständnis entsteht nun dadurch, dass in den meisten Gegenden Indiens der in Deutschland verwendete Name „Kurkuma“ ungebräuchlich und unbekannt ist. Eigentlich leitet sich der Begriff Kurkuma oder Curcuma aus dem Sanskrit ab und sollte daher gerade in Indien bekannt sein.

Turmeric, Haldi, Curcuma
Kurkuma, Haldi, Turmeric, …

Dort verwendet man für die entsprechende Pflanze (Curcuma longa) und das dazugehörige Pulver eher den aus dem Latein entspringenden Begriff Turmeric. Um die Verwirrung noch zu vergrößern benutzen viele auch das entsprechende Wort in Hindi: Haldi. Beim Diskutieren über das wichtigste Gewürz der indischen Küche kann es daher durchaus vorkommen, dass alle über die gleiche Substanz sprechen, ohne es zu merken.

Für den botanisch Interessierten: Beim Kurkuma, Haldi und Tumeric-Pulver handelt es sich um zerriebene unterirdische Ausläufer (Rhizome) der entsprechenden Pflanze.

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